Die Bücherei in der Telefonzelle

Vor ein paar Tagen habe ich eine Institution in Pforzheim entdeckt, die ich in meiner Heimatstadt eigentlich nicht erwartet hätte: einen öffentlichen Bücherschrank.

Hierbei handelt es sich um einen Schrank oder eine Kabine, meist in der Größe von ungefähr einer Telefonzelle, in der man anonym Bücher spenden, aber auch entnehmen kann. Es gilt dabei die ungeschriebene Regel: wenn du ein Buch rausnimmst, leg auch wieder eines rein. Das darf – und soll – auch gerne das Buch sein, das du zuvor aus diesem oder einem anderen Bücherschrank genommen hast. Wichtig ist, dass einfach viele Menschen in den Genuss des Inhalts kommen.

Ich finde diese Art des Austausches prima. In jungen Jahren konnte ich mir nicht so viele Bücher leisten, wie ich gelesen habe, weshalb ich oft auf Flohmärkten nach neuem Lesestoff gesucht habe. Gelesene Bücher fanden dabei oft den Weg in den Freundes- und Bekanntenkreis, auch wenn hier eine vergleichbare Menge an Büchern zurückkam, wie ich sie hergab.

Was Bücher angeht, habe ich schon vor zwei, drei Jahren angefangen, meinen physischen Bestand zu reduzieren. Ich lese zwar schon ab und an ein Buch erneut, trotzdem wuchs mein Bücherbestand auf gut zwei Dutzend Regalmeter. Da ich zudem schon vor einiger Zeit auf EBooks umgestiegen bin – Papier macht ein Buch nicht wertvoller- habe ich die Chance ergriffen, einige Bücher zu verschenken und viele einfach bei Momox für Centbeträge zu verkaufen.

Ein paar Bücher sind aber noch übrig. Zum Beispiel mein Herr der Ringe-Hardcover im roten Einband. Da ich auch diesen Titel inzwischen auf meinem Kindle habe und über die Jahre auch schon die eine oder andere verliehene Ausgabe nie zurückbekam, habe ich mich dazu entschlossen, diese über den Pforzheimer Bücherschrank zu spenden. Vielleicht entdeckt ja dadurch ein Jugendlicher seine Liebe zur Fantasy? Vielleicht hat aber auch jemand so einfach seinen Spaß daran.

Selbst werde ich es wohl nicht erfahren, aber alleine der Gedanke an diese Möglichkeit zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen.

Was Unternehmen nach einem Hacker-Angriff tun sollten

Diese Woche erhielt ich eine belustigende Spam-Mail, in der mir der Absender mitteilte, er hätte mich über meine eigene Webcam gefilmt, wie ich mir ein Internet-Video angesehen hätte und dabei – in seinen Worten – etwas Spaß gehabt hätte. Gegen eine kleine Gebühr würde er dieses Video aber vernichten und ganz, ganz sicher nie jemanden zeigen.

Diese Betrugsmasche ist jetzt nicht neu. Da ich für jeden Kontakt eine eigene E-Mail-Adresse verwende, interessierte mich nur noch, welche denn für diesen Versuch verwendet wurde. Die üblichen Verdächtigen sind hier die Adresse, welche ich für eBay verwende, eine Adresse, die mal im Kontext des Online-Games Black Prophecy versehentlich öffentlich gemacht wurde oder jene Adresse, welche ich beim pleite gegangenen Versandhändler Neckermann verwendet habe und die wohl als derart wertvoll betrachtet wurde, dass man sie mehrfach aus der Konkursmasse heraus verkauft hat – übrigens ohne meine Zustimmung, so dass ich gegen jeden Verwender mit harten Bandagen vorgehe.

Ich war überrascht, eine E-Mail-Adresse zu entdecken, welche mir einmal ein Software-Hersteller im Gegenzug für eine Demo-Version seines Produktes abgenötigt hatte. Die Software selbst hatte ich nach einem kurzen Test schon wieder als für mich Unnütz von der Festplatte gelöscht, so dass außer einer einmaligen Bestätigungs-Nachricht nichts mehr in meinem Archiv zu finden war.

Ich kontaktierte den Hersteller per Facebook und informierte ihn über meine Entdeckung und bat ihn, zu prüfen, ob er vielleicht Opfer eines Datendiebstahls geworden sei. Ich erhielt aber nur die Aussage, dass man schon seit langem keinen Hacker-Angriff ausgesetzt war und man deswegen auch keinen Grund für eine entsprechende Untersuchung oder weitere Bemühungen sehe. Welcher Zeitraum ‚lange‘ umfasst, wollte man mir nicht sagen. Eben so wenig, warum ich über den letzten bekannten Hacker-Angriff keine Information erhalten hatte oder was man daraufhin unternommen hat.

Ich möchte daher folgende Empfehlung für all jene Unternehmen abgeben, welche E-Mail-Adressen oder andere Daten von anderen Menschen halten

  • Wenn Ihnen ein Angriff oder Diebstahl bekannt wird, informieren sie die entsprechenden Behörden, alle ihre Benutzer – und nicht nur die, die möglicherweise von diesem Vorgang betroffen sind, sowie die Öffentlichkeit.
  • Sollten Sie Passwörter speichern, setzen Sie diese auf einen zufälligen Wert und veranlassen Sie, dass sich ihre Benutzer ein neues, möglichst sicheres Passwort vergeben müssen.
  • Speichern Sie Zahlungsdaten, informieren Sie auch unbedingt alle betroffenen Banken über sämtlichen konkreten Fällen. Nur so können Sie verhindern, dass ihren Benutzern aufgrund ihrer Nachlässigkeit ein finanzieller Schaden entsteht.

Pause machen

Mein letzter richtiger Job ging vor einigen Wochen planmäßig zu Ende. Entgegen meines sonstigen Verhaltens habe ich mich aber nicht gleich wieder auf eine neue Aufgabe geworfen. Sicherlich liegt das auch daran, dass es gerade bei meinem letzten Job einige Menschen gab, die das Arbeiten ungewöhnlich stressig machten. Erstaunlicherweise sind es nämlich selten die schwierigen Aufgaben oder die ambitionierten Herausforderungen, die für mich Stress bedeuten, es ist eher das menschliche Umfeld, besonders wenn man es mit einer Reihe von „speziellen Charakteren“ zu tun hat.

Ich habe mir daher erst einmal eine konstruktive Auszeit verordnet. Wer sich für IT und Computern interessiert, hat ohnehin immer einen Berg von Büchern die er schon lange lesen oder Programme und Technologien mit denen er sich beschäftigen will. Aufgaben finden sich daher einfach.

Viel wichtiger war für mich aber, die Zeit zu nutzen, um einmal zurück zu blicken. Was habe ich in der Vergangenheit alles gemacht, was habe ich gelernt, was habe ich erfolgreich angewendet? Und: was hat mir davon wirklich Spaß gemacht und unter welchen Umständen ist das passiert? Wie habe ich mich im Lauf der Zeit verändert und wie bewerte ich diese Veränderungen für mich?

Gerade in den ersten beiden Wochen schien ich mich hier erst einmal im Kreis zu drehen. Klar, hatte ich schon viel erreicht. Und ich hatte natürlich auch umfangreiche Pläne und Projekte für die Zukunft. Vieles hatte ich da auf meiner Tapete stehen, dass ich noch anzugehen hatte. Vorhaben, von denen ich schon mit Menschen gesprochen hatte. Pläne, die es bislang nur in meinem Kopf gab.

Ich wusste schon immer, dass ich mir eigentlich immer zu viel vornehme und mein persönliches Zeitkonto großzügig überlade. Entsprechend gehandelt s ich aber nie.

Thinks to know and not to do, is not to know! Diese Aussage habe ich vor Jahren einmal aus einem Seminar über Erfolgsstrategien mitgenommen. Jetzt wurde mir bewusst, dass ich dieses Wissen nicht angewendet hatte.

Auch wenn diese Erkenntnis schon reichlich schmerzhaft war, folgte darauf der bislang schwierigste Schritt: Ich beschloss, alle Projekte und alle Vorhaben bis auf eines komplett zu streichen. Das eine überlebende Projekt müsste dann jenes sein, dass ich mit aller Kraft und Leidenschaft verfolgen könnte. Vielleicht hatte ich dieses Vorhaben auch noch gar nicht auf dem Schirm? Auch mein berufliches Profil sollte sich schärfen. Mit vielen Themen Kontakt gehabt zu haben und sich mutig auf neue Aufgabengebiete zu stürzen, ist zwar sehr interessant, es formt aber auf Dauer keinen Experten.

Gegenwärtig habe ich diesen Pfad noch nicht vollständig durchschritten. Bei vielen Dingen konnte ich schon einen klaren Schnitt ansetzen, bei manchen Themen fechte ich aber noch den Kampf mit mir selbst. Der aufmerksame Beobachter wird in den Wochen und Monate, die kommen werden, sicher den einen oder anderen Hinweis auf meine aktuelle Entwicklung erhaschen können.

Ich bin selbst gespannt.

Das Jahr des Bieres

Das wird jetzt wie ein dummer Neujahrs-Vorsatz erscheinen:
Ich habe mir vorgenommen, im Jahr 2018 einhundert unterschiedliche Biere zu trinken, die ich noch nie – oder zumindest schon sehr lange nicht mehr – getrunken habe.

Eigentlich bin ich kein großer Bier-Trinker. Und dabei ist Bier schon das Härteste, das ich an alkoholischen Getränken so halbwegs regelmäßig konsumiere. Bei den verschiedenen Ereignissen, zu denen es legitim ist, Bier zu trinken – ich denke da zum Beispiel an das gelungenen „Beer & PHP“ der PHP-User-Group Karlsruhe im vergangenen Jahr – halte ich mich ganz gerne an eine frische Apfelsaftschorle oder ein leicht sprudelndes Mineralwasser (Fußnote: Stilles Wasser ist mir zu langweilig, Mineralwasser mit der klassischen Menge Kohlensäure belastet mir die Stimme zu sehr). Wenn ich dann tatsächlich Bier trinke, halte ich mich oft an das Bekannte – meist aus purer Gewohnheit.

Vor einiger Zeit habe ich aber eher zufällig ein Bier einer kleinen Brauerei aus dem Schwarzwald getrunken. Leider weiß ich jetzt den Namen nicht mehr, aber ich weiß noch, dass dieses Bier unglaublich lecker war. Vielleicht weil es die üblichen geschmacklichen Eigenschaften von Bier nicht so sehr in den Vordergrund stellte.

Diese geschmackliche Erfahrung war für mich so beeindruckend, dass sie meine Neugier anstieß. Ich fasste die Absicht, nun öfters unbekannte Biersorten auszuprobieren.

Einige Wochen später musste ich mir aber eingestehen, diesen Vorsatz nicht umgesetzt zu haben. Mich überkam die Erkenntnis, dass ich – was Bier betraf – in einem Schema gefangen war. Das liegt im Wesentlichen darin, das ich Bier nur in Gesellschaft trinke und ich mich dabei entspannt genug fühle, um meine mir selbst auferlegte Selbstkontrolle dem Alkohol zu opfern. Da ich mich selten entspannt fühle, wenn ich Gäste zuhause habe, trinke ich Bier eigentlich nur außer Haus in ausgesuchten Gaststätten. Viele meiner Freunde scheinen aber regelrecht mit ihrer Stammkneipe verheiratet zu sein. Selten wird dort die Bierauswahl durch neue, ungewöhnliche Biere ergänzt. Zudem fühlen sich auch viele Leute mit schon fast religiösen Eifer genötigt, für ihr Lieblingsbier einzustehen. Wer es wagt ein Stout in einer Runde Pils-Fanatiker zu trinken, muss schon ein dickes Fell haben. In diesem Bereich könnten ambitionierte Forscher gerne zu den Themen Gruppenzwang und Gruppendynamik forschen.

Nach Ansicht verschiedener Personen in meinem Freundeskreis, befasse ich mich ohnehin ständig mit reichlich ungewöhnlichen Beschäftigungen. So spiele und programmiere ich Computerspiele und das nur, um dabei Spa0 zu haben – also ohne hier die sinnvolle Absicht zu verfolgen, Millionen zu verdienen. Oder ich kaufe gebrauchte LowCost-Notebooks, nur um eine Video-Serie mit meinem dabei gesammelten Erfahrungen zu drehen. Es wird die entsprechenden Personen also nur ein weiteres nachsichtiges Kopfschütteln entlocken, wenn ich auf meinem persönlichen Blog (noch so eine eigentlich unnütze Zeitverschwendung) eine Artikelserie über Bier veranstalte.

Einhundert Bier sind dabei jetzt kein Pappenstiel. Allerdings kann man in Deutschland wohl mehrere Hundert, wenn nicht gar Tausend verschiedene Biere kaufen. Hundert erscheint mir hier einfach eine schöne runde Zahl. Außerdem hatte der Getränkemarkt um die Ecke vor einiger Zeit mal damit geworben, mehr als 100 Sorten Bier im Sortiment zu haben. Na dann.

Einhundert Bier bedeutet aber auch in einem Zeitraum von 52 Wochen jeweils zwei unterschiedliche Biere pro Woche zu trinken. Ich habe mir allerdings vorgenommen, diese Biere sehr bewusst zu trinken, um eben für mich etwas über deren Geschmack und sonstige Eigenschaften zu lernen. Das bedeutet ich trinke diese Biere zuhause. Alleine. Nur als Hinweis für diejenigen, die nun die Hoffnung hatten, bei mir plötzlich auf der Matte stehen zu können, um Bier zu trinken. Vergesst es 😉

Ich glaube nicht, dass ich wöchentlich über meine neue Biertrinkerei berichten werden. Natürlich treibt mich mein Selbst dazu, meine gewonnenen Erfahrungen zu dokumentieren. So furchtbar spannend wird das aber wohl trotzdem nicht werden. Ich werde die Welt (also jene zwei oder drei Personen, welche zufällig auf mein Blog stoßen) dennoch über meine Erkenntnisse informieren. Dies wird aber höchstens einmal im Monat passieren. Versprochen wird hier natürlich nichts. Freudige Leser sind also gewarnt.

In diesem Sinne: Prost 😉

 

 

 

Gespräche mit Alexa

„Alexa … … … hat sich erledigt“
Alexa: „Ok! Wenn doch etwas sein sollte, sag einfach bescheid!“
 
Der beste Beweis, dass es sich um eine AI handelt. Eine reale Frau ist seltenst so unkompliziert 😉
 

„Alexa: füttere die Katze!“
Alexa: „Ich habe eben Katze deiner Einkaufsliste hinzugefügt.“
 
Äh? Wat?

Warum ich mir keine Nintendo Switch kaufe.

Morgen ist der Verkaufsstart für Nintendos neuesten Wurf im Bereich der Konsolen – die Switch kommt auf den Markt. Als „NX“ schon seit Monaten gehypet, war auch icheinigermaßen hin und her gerissen, ob ich mir zur Markteinführung dieses Stück Gaming-Hardware zulege.

Das Konzept, zwischen der Nutzung zuhause am TV und dann nahtlos auf einem mobilen Modus umzustellen, hat mich eigentlich schon begeistert. Ich bin ja viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und nutze diese Zeit auch gerne mal, um ein Spiel zu spielen. Wirklich umfangreiche Spiele mag ich da aber nur selten anfangen. Zu häufig werde ich da aus dem Spiel gerissen, weil ich umsteigen muss oder schließlich doch am Ziel angekommen bin. Finde ich dann zuhause Zeit zum Spielen, mag ich nur selten leicht gekrümmt auf dem Sofa sitzen, um mein Spiel zu spielen. Wenn ich die Wahl habe, spiele ich doch lieber auf einem großen Bildschirm anstatt auf lediglich 5 bis 8 Zoll. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich Baphomets Fluch (engl. Broken Sword) zwar vor gut sechs Monaten endlich einmal angefangen habe, aber in Summe nur ca. 10 Stunden Spielzeit damit erlebt habe.

Trotzdem habe ich mich jetzt dazu entschlossen, erst mal keine Switch zu kaufen. Der Hype-Train hatte mich zwar schon so weit gecatcht, dass ich mir über Amazon eine Konsole vorbestelle – zu meinem Glück war deren Kontingent aber zu diesem Zeitpunkt bereits vergriffen. Nach der ersten Enttäuschung habe ich aber für mich festgestellt, dass mir die Konsole für das, was sie mir bietet schlicht zu teuer ist.

Ich will damit aber gar nicht in die derzeit vielgehörte Kritik einstimmen, dass die technischen Leistungsdaten für die ausgerufenen 330 Euro maßlos überteuert ist – obwohl ich hier im Grunde meine Herzens voll zustimmen muss. Selbst nVidias Shield Tablet ist bei gleicher CPU und Speicherausstattung und trotz größeren Displays günstiger zu haben. Ich will auch nicht darauf herumreiten, dass die Preise für Zubehör und Spiele eigentlich eine maßlose Frechheit – 70 Euro pro Spiel – sind.

Was für mich zählt, ist das Potential an interessanten Spielen, die ich mit dieser Konsole spielen kann. Und hier bleibt – abgesehen von einem neuen Zelda – nichts übrig. Ja, natürlich: es gibt zum Start einige Umsetzungen von PC Spielen, wie Fifa, Just Dance oder Stardew Valley. Aber das alleine reicht eben noch nicht aus. Und ein so starker Magnet ist Zelda für mich auch nicht, um mir 500 Euro aus der Tasche zu locken. Ja, 500 Euro. Denn neben den 330 Euro für die Konsole zahle ich ja auch noch 70 Euro für das Spiel und 70 Euro für diesen Pro-Controller sowie sicher mehr als 30 Euro für Kleinigkeiten wie Tasche, SD-Karte, USB-Netzteil, Verlängerungs- bzw. Anschlusskabel und so weiter.

Hier muss mir Nintendo erst beweisen, dass sie die Investition in die Hardware langfristig mit interessanten Titeln unterstützen können – so wie es auf dem Nintendo DS bzw. 3DS war. Ob die großen Drittanbieter hier aber wirklich mitziehen, ist für mich fraglich. Und da Nintendo im Ruf steht, für kleine Entwickler bzw. „Indies“ ein – freundlich formuliert – „schwieriger Partner“ zu sein, wird auch hier sicher keine Schwemme an Spieletiteln zu erwarten sein.

Ich warte also erst mal ab bis Weihnachten oder vielleicht sogar später – dann soll nämlich auch das neue Mario kommen.

Soll ich mich Selbstständig machen?

Eines meiner erfolgreichsten Videos bislang (naja, nur im meinem Kontext *g*) dreht sich um die Frage: „Soll ich mich Selbstständig machen“.

Hintergrund für dieses Video war genau jene Frage, die mir vergleichsweise oft aus meinem Bekanntenkreis gestellt wurde, als ich mich 2011 mit meinem IT-Projektmanagement und – Beratungsunternehmen adaropro gerade selbst erst selbstständig gemacht hatte.

Nun taugt der Begriff „Selbstständigkeit“ nach meiner Auffassung weniger als Berufsbezeichnung, den eher als Berufung. Letztlich ist es ja gerade die große Freiheit und Möglichkeit eines Selbstständigen, eigene Entscheidungen auf eigene Risiko aber auch eigenen Gewinn zu treffen.

Damit das Thema nicht all zu sehr in YouTubes Datenlawine untergeht, habe ich es hier noch einmal eingebettet, auf dass interessierte Zuseher es sich gerne immer wieder ansehen können.

Wann ist ein Spiel „fertig“?

Auf Computerbase ist aktuell ein Post zu lesen, der eine umfangreichere Aussage eines der Vlambeer-Gründer zum Thema Day-One-Patch wiedergibt. Auslöser hierfür war wohl wiederum der Day-One-Patch für „No Man’s Sky“. Dieser scheint wohl in größerem Umfang in die Spielerfahrung dieses Titels einzugreifen und zahlreiche der geäußerten Kritikpunkte am Spiel ausräumt. Diese Kritikpunkte wiederum beziehen sich auf eine Preview-Version bzw. die PS4-Disc-Version, welche verschiedenen Händlern für den Verkaufsstart bereits geliefert wurde. Aus Entwickler-Sicht ist diese Version also rund zwei Monate alt.

Jetzt erst einmal durchatmen 🙂

Interessant an diesem Artikel sind dabei wie so oft die Kommentare der Leser. Für viele ist der Day-One-Patch inzwischen akzeptabel, da sie sich z.B. noch gut an fehlerbehaftete Spiele aus der Prä-Internet-Ära erinnern können. Andere wiederum fragen sich, warum man Spiele nicht „fertig“ entwickeln kann, bevor man es in die Produktion gibt. Wichtigstes Argument dieser Fraktion ist, dass dies in der Prä-Internet-Ära doch auch gehen musste.

Im Grunde kann ich dieser Meinung zustimmen. Ich bin unbedingt dafür, den „Käufern“ ein soweit funktionsfähiges Spiel mit allen versprochenen Features auszuliefern. Ich kann mir zwar verschiedenste Gründe vorstellen, warum man als Entwickler will, dass Spiele zum offiziellen Start noch einmal gepatcht werden, auf diese will ich aber im Moment gar nicht eingehen. Mir geht es hier eigentlich mehr um die Frage: Wann ist ein Spiel tatsächlich „fertig“?

Software-Entwicklung – und besonders die Spiele-Entwicklung – umfasst neben der eigentlichen Programmierung noch eine ganze Reihe weiterer Aufgaben. Konzeption und Entwurf, Entwicklung von Prototypen, Akzeptanz- und Funktionstest, Re-Design und Überarbeitung, Dokumentation und so weiter.
Wer halbwegs wirtschaftlich orientiert ist, muss auch Marketing bzw. Öffentlichkeitsarbeit und die Aufgaben des Vertriebs berücksichtigen.

Diese ganzen Tätigkeiten stehen untereinander in Abhängigkeit. Viele Aufgaben kann man erst beginnen oder zum erfolgreichen Abschluss bringen, wenn vorausgehende Aufgaben abgeschlossen sind oder zumindest einen definierten Zwischenstand erreicht haben.
Da man nicht immer alleine an einem Projekt arbeitet und wahrscheinlich weder über unbegrenzt Zeit noch Geld verfügt, sollte irgendeine Form des Projektmanagements installieren und sei es, dass man seine verschiedenen Aufgaben einfach per Kalender plant und deren Einhaltung regelmäßig selbst überprüft.

Irgendwann kommt dann der Tag, da muss man sein Spiel abliefern. Das Herstellen von Datenträgern und Verkaufsverpackungen sowie der Transport zu den Händlern benötigt aber ebenfalls Zeit. Gerade die Konsolen-Hersteller scheinen zudem eine mehr oder weniger umfangreiche Qualitätssicherung installiert zu haben – eine Erkenntnis, die gerade Nintendo aus dem Videospiel-Crash der 1980er gezogen hat und für den eigenen Erfolg zu nutzen wusste.
Es vergehen also noch Wochen, wenn nicht sogar Monate, bis das Spiel tatsächlich bei den Spielern vorliegt.

Jeder Entwickler bzw. Designer weiß aber schon mit der Abgabe seines Spiel, was er daran noch besser machen könnte. Selbst wenn er das qualitativ hochwertigste Spiel abgeliefert hat, das ihm möglich war, wird er kurz darauf Dinge finden, die er noch besser machen kann. Tatsächlich ist ein Spiel für seine „Eltern“ nämlich nie fertig. Und da der Titel ohnehin einige Zeit „auf der Reise“ ist, kann man diese doch eigentlich auch nutzen, um an einer „Verbesserung“ zu arbeiten. Besonders da man solche Verbesserungen heute schnell und einfach zur Verfügung stellen kann.

Man könnte die Zeit zwischen Abgabe und Verkaufsbeginn natürlich auch mit anderen Dingen füllen. Etwa Urlaub oder Planung des nächsten Projekts. Bei größeren Entwickler-Teams macht man das sicherlich auch. Die geistigen „Eltern“ eines Spiels und sicher auch andere, die kreativ daran mitgearbeitet haben, können sich in solchen Zeiten aber nur schwer von ihrem Kind lösen. Man denkt einfach ständig an den bevorstehenden Verkaufsstart und wie das eigene „Baby“ wohl im Markt angenommen wird. Warum also diese Zeit nicht ganz bewusst dafür nutzen?

Ich würde diese Möglichkeit bei der Projektplanung ebenfalls für mich nutzen. Das kann nur vorteilhaft für das Endergebnis sei. Denn wirklich „Fertig“ sind Spiele eigentlich nie.

Erste Überlegungen zu prozeduralen Gegenständen

Prozedurale Welten sind eigentlich nichts Neues: in Elite musst ein ganzes Universum in nur 16 KB Speicher (auf dem BBC Micro) platz finden. Da konnte man sich schwerlich die ganzen Planeten in einer Tabelle mit all ihren zugehörigen Eigenschaften wie Name, Größe, Wirtschaft, Gesetzestreue usw. ablegen. Hier mussten diese Werte jedes Mal auf’s Neue berechnet werden.

Mir schwirrt im Moment auch durch den Kopf, wie ich zum Beispiel einen Item-Katalog für einen klassischen Dungeon-Crawler prozedural erzeugen müsste. Mich treibt dabei weniger die Speichernot. Selbst auf Smartphones kann man sich heute recht problemlos einige Millionen Byte an Speicherplatz reservieren, auch wenn das in solchen Fälle etwas an Verschwendung erinnern würde.

Prozedurale Items könnten aber ein unglaubliches Hilfsmittel sein, in der Entwicklung Zeit zu sparen. Gerade in einem Dungeon Crawler sind Gegenstände grundlegend alle unterschiedlich, aber doch auch sehr ähnlich. Eine „Axt des Affen“ und eine „Axt des Falken“ sind beides Äxte, nur das die eine vielleicht einen Bonus auf Stärke die Andere einen Bonus auf Geschicklichkeit gibt.

Statt sich die Items alle einzeln in einer Tabelle anzulegen, kann man sich die verschiedenen Eigenschaften auf Basis eines Wertes ausrechnen. Wenn das Regelwerk fix ist, kann man dabei aus dem gleichen Wert das immer wieder gleiche Item erzeugen. Stupide Fleißarbeit beim anlegen von Items entfällt und wird durch kreative Hirnarbeit ersetzt.

Ich will hier eine kleine Artikelserie starten, innerhalb derer ich verschiedene Methoden untersuche, um aus einem Wert einen definierten Gegenstand abzuleiten. Wer Anregungen zum Thema hat, darf sich gerne in den Kommentaren austoben und mir eine E-Mail schreiben.

Spielspass contra FLOPS

Im PC-Sektor hat man sich schon daran gewöhnt, dass sich die Leistungsspirale stetig nach oben schraubt. Aktuell ziehen aber auch die Konsolen an. Sowohl bei Sony als auch bei Microsoft stehen Upgrades der Hardware an, die deutliche Mehrleistung verspricht. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Aussage von Nintendo, die auf der E3 mal wieder zu ihrer nächsten Konsole NX befragt wurden: Man wolle lieber mit interessanten Inhalten anstatt mit mit technischen Leistungsdaten auffallen.

Die PC-Enthusiasten glauben hier schon ein Eingeständnis zur eher schwache Leistung dieses nächsten Wurfs zu erkennen – besonders da ja die aktuelle Konsole Wii U als vergleichsweise lahm gilt.
Mir hingegen spricht Nintendo da aber aus der Seele: ausreichend Leistung für interessante Spielideen ist nämlich schon eine ganze Zeit vorhanden. Es mag ja immer mehr Leistung für noch schönere und detaillierte Grafik benötigt werden und auch eine lebensecht wirkende Physik fordert Rechenpower, aber das macht Spiele nicht zwingen interessanter oder spielenswerter. EyeCandy ist für ein Spiel durchaus wichtig, um überhaupt erst einmal die Aufmerksamkeit von Spielern für sich zu gewinnen. Wer aber all seine Kraft auf den schönen Look setzt, wird die gewonnene Spielerschaft nicht lange fesseln können. Die nächste hübsche Braut wartet nämlich nur eine Ecke weiter.

Viel bedeutsamer halte ich hier den Weg, den Microsoft derzeit geht: Spiele nicht mehr nur alleine für den PC bzw. Windows zu entwickeln, sondern diese auch den XBox-Spielern oder den Gamern aus SmartPhones zur Verfügung zu stellen.
Zugegeben: nicht jedes Spielkonzept funktioniert auf jedem Endgerät in der gleichen Art. Aber gerade für kleine Spieleentwickler ist es doch sehr interessant ihre Ergebnisse einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. Der Erfolg von Multiplattform-Frameworks wie Unity3D unterstreicht das.

Ich werde mich daher in Zukunft auch ausführlicher mit WinPhone und XBox auseinander setzen. Und ich freue mich darauf, auf diesen Plattformen das eine oder andere Spiel zu veröffentlichen.